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Die arabischen Lehnwörter

Jeder, der Türkisch lernt, stolpert früher oder später über eines der zahlreichen Lehnwörter aus dem Arabischen. Das fängt bei so einfachen und grundlegenden Wörtern wie lazım an, betrifft aber häufig solche, die man ungefähr ab der Zeitungslektüre und dem Verfolgen von Nachrichtensendungen braucht. Beispielsweise muhalefet – Opposition (im Parlament).

Wenn man bezüglich der arabischen Sprache ein paar Dinge verstanden hat, verlieren die Wörter etwas an Schrecken – aber nur etwas.

Zunächst bestehen im Arabischen die Grundbedeutungseinheiten nur aus Konsonanten. Das spiegelt sich auch in der arabischen Schrift wieder, die eigentlich keine Buchstaben für Vokale kennt, sondern diese nur mittels diakritischer Zeichen (diese kleinen Punkte obendrüber) darstellt, was insbesondere für die sehr vokalreiche türkische bzw. osmanische Sprache notwendig war, als sie vor Atatürks Reformen noch mit arabischen Schriftzeichen geschrieben wurde. Da mussten diakritische Zeichen (für ü, ö z.B.) erfunden werden, die man für das Arabische nie gebraucht hatte.

Betrachten wir beispielsweise die Bedeutungseinheit „h-k-m“. Im Folgenden stelle ich ein paar wichtige Lehnwörter im Türkischen vor, die aus diesem arabischen Stamm gewonnen werden: Man kann daraus z.B. hakim bilden, was „Richter“ heißt, oder hakem – „Schiedsrichter“. Möglich ist auch mahkeme – „Gericht“ und hüküm – „Urteil“. Ist einem also klar, welche ungefähre Bedeutung die drei Konsonanten h-k-m haben (irgendetwas mit „Befehl, Urteil“), wird man mit neuen Wörtern, die diese Kombination enthalten, besser zurechtkommen bzw. sich deren Bedeutung vielleicht erschließen können, wenn man sie noch nicht kennt.

Wichtiger ist aber, dass man alle gelernten Wörter, die von einer Grundbedeutungseinheit abstammen, gedanklich anhand dieser Gemeinsamkeit miteinander verknüpfen kann. Denn diese gedankliche Verbindung („die stammen alle von h-k-m ab, haben alle etwas mit Befehl oder Urteil zu tun“) stabilisiert die Erinnerung an alle Wörter wie ein Querbalken (zumindest bei mir).

Aber weiter geht es, ich habe ja noch ein bisschen was zu erzählen: Ein vorangestelltes „m“ zeigt im Arabischen das Passiv Partizip an. So ist der mahkum (auch hier beachte man wieder das Vorkommen von h-k-m) der „Verurteilte“.

Die Endsilbe -et hingegen scheint mir so ähnlich wie das deutsche -schaft oder -heit zu sein. Aus muhalif – „Gegner“ wird muhalefet – „Opposition“ (Gegnerschaft). Aus faal – „aktiv, tätig“ wird faaliyet – „Tätigkeit“

Apropos: Vom arabischen Verb faala – „tun“  leiten sich nicht nur die zwei zuletzt genannten Wörter her, sondern auch die wichtigen Wörter fail – „Täter“ und fiil – „Tat, Verb“ her; auch hier wird das Muster deutlich (f-l).

P.S.: Ich bitte alle Kenner des Arabischen darum, mir etwaige Fehler zu verzeihen (und nehme sehr gerne Korrekturen entgegen).

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