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Wie funktionieren eigentlich Nebensätze im Türkischen? (Teil 4: Die faule Lösung)

Wer nach den drei Artikeln über Nebensätze schon gar keine Lust mehr hat, oder wer, was wahrscheinlicher ist, keinen davon je las, weil sie viel zu lang waren, für den gibt es jetzt die ganz einfache Lösung.

Sie ist für den deutschen Sprecher tausendmal vertrauter und dadurch angenehmer als das, was ich bisher vorgestellt habe. Dabei handelt es sich um das Wort ki (das allerdings noch andere Funktionen erfüllen kann wie die Bekräftigung einer Aussage). Ein dass-Satz wird damit ganz genau so gebildet wie im Deutschen:

Biliyorum ki geliyorsun – Ich weiß, dass du kommst.

Warum ich das erst jetzt erwähne? Vielleicht Sadismus – oder pädagogische Gründe? Nein, es liegt daran, dass es natürlich nicht die schöne Universallösung ist, als die ich es anfangs so schamlos anpries.

Dieses Wörtchen ist nämlich kein „echtes“ Türkisch (öztürkçe), da es aus dem Persischen stammt. Irgendwie war das ja klar, denn das Ganze hat so etwas untürkisch indogermanisches und das Gefühl trügt nicht: Persisch ist auch – wie Deutsch – eine indogermanische Sprache. Außerdem will man ja nicht nur zu Türken sprechen, sondern sie natürlich auch verstehen und leider haben sie nicht die Güte, jeden ihrer dass-Sätze mit ki zu bilden. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass man die Sätze des Wünschens und Wollens, die man gemeinhein mit -mesi bildet, damit nicht ersetzen kann.

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5 Kommentare zu “Wie funktionieren eigentlich Nebensätze im Türkischen? (Teil 4: Die faule Lösung)

  1. Diese schöne Lösung verstehen sie leider selten bzw. wollen sie gar nicht verstehen. Sonst wäre ich mit meinem Türkisch schon einen großen Schritt weiter 😉

    • Ich muss zugeben, dass ich diese etwas untürkische Art, einen Nebensatz zu bilden, konsequent gemieden habe, um mir erst gar keine schlechte Angewohnheit zuzulegen (und weil ich die echten türkischen Konstruktionen einfach cooler finde). Daher habe ich auch wenig bis gar keine Praxiserfahrung damit.

    • Ich habe mir gerade nochmal zur Sicherheit per Mail von einem richtigen Türken bestätigen lassen, dass mein Beispielsatz richtig ist und richtig übersetzt ist. Außerdem teilt er auch meine Einschätzung, dass das mit Wünschen, Wollen, etc. nicht geht, also beispielsweise istiyorum ki geliyorsun nicht funktioniert. Interessant: Als Alternative hat er istiyorum, ki gelesin vorgeschlagen. Dabei ist das Element des Wollens zwar doppelt vertreten und deshalb kann man es nicht als schönes Türkisch bezeichnen, es kommt aber bei der richtigen Bedeutung heraus.

  2. Hallo,
    Türkischer Muttersprachler hier (hab keine Kenntnisse der Grammatik bei uns läuft da übers Sprachgefühl) und muss sagen:
    Im ersten Moment dachte ich dass das falsch ist. Erst als ich es im Kopf von einer poetischen Stimme betonen lies viel mir auf: doch das gibt es. Ich rede nie so und denke dass da die Betonung wichtig ist. Nachdem ki muss man muss man kurz warten, kann sogar sinnvoll sein das du nicht wegzulassen in diesem fall. Also auf jeden fall sehr Dramatisch wie gesagt ich erwarte sowas eher in Gedichten oder emotionalen Film Szenen. Der Satzbau wie im Deutschen hat den Effekt dass zuerst mitgeteilt wird dass man etwas weiß, und es stellt sich die Frage was dieses wissen ist (Spannung wird aufgebaut) und dann erst kommt das Eigentliche.
    Es ist also scheinbar sowohl die Betonung wichtig als auch der Moment denn selbst wenn man die Betonung drauf hat, ist es sehr unpassend die ganze Zeit (oder im falschen Moment) so dramatisch(? wenn nicht sagen wir Poetisch) zu reden.

    Was man zum Wünschen sagen kann:
    Dilerim ki bundan böyle mutlu olursun.
    Ich wünsche (mir) dass du von nun an Glücklich sein wirst

    Isterim ki gelirsin
    Ich wünsche mir dassdu kommst

    Wie gesagt Gramatik kenne ich mich nicht aus aber ich hätte das Komma nicht vor dem ki gesetzt sondern danch denn die Pause gehört für mich eher vor das ki (zumindest in diesen Fällen).

    • Vielen Dank für’s Lesen und für den Kommentar. Da habe ich ja mal was Neues gelernt. Mir war nicht bekannt, dass ki reserviert ist für Drama oder Poesie. Vielleicht kann es sich dabei auch um ein individuelles Sprachgefühl handeln?

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