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Tricks in Istanbul

Während meines ersten längeren Türkeiaufenthalts bin ich auf einen klassischen Trick in Istanbul hereingefallen, vor dem überall gewarnt wird. Die Sache funktioniert so: Ein Schuhputzer läuft vor dem Opfer her, einem westlichen Touristen, und lässt scheinbar ausversehen eine seiner Bürsten fallen. Der nette Tourist ist natürlich ganz beflissen, jedem Türken seine Herzensgüte zu beweisen und so hebt er die Bürste auf, rennt hinterher und übergibt sie dem überglücklichen Besitzer. Der nötigt den Touristen dann freundlich, aber bestimmt, sich von ihm zum Dank – und dem Anschein nach umsonst – die Schuhe putzen zu lassen. Hinterher verlangt er dann mit oder ohne Ausrede eine absurde Summe Geldes, die der Tourist ob seiner Überraschung und Unkenntnis der lokalen Preisverhältnisse oft bezahlt. Meine persönliche Version hatte aber noch folgendes Extra: An den Füßen trug ich wegen der Hitze nur Birkenstocksandalen. Hat schon mal jemand auf dieser weiten Welt seine Birkenstocksandalen von einem Schuhputzer putzen lassen? Ich glaube nicht. Zu putzen und zu polieren gab es da ja nur zwei lächerliche, schmale Lederstreifen. Außerdem sind Birkenstocksandalen ja nun auch kein Blickfang, der immer top aussehen müsste. Ein leicht abgefuckter Look mag sogar eher passend sein. Für diese absolut nutzlose Arbeit habe ich immerhin 30 Lira (oder vielleicht doch €? Hoffentlich Lira!) bezahlt, weil er und sein Kumpan, beide mit großen Augen über meinen gezückten Geldbeutel gebeugt, etwas von einem kranken Verwandten erzählten.

Das nächste Mal, als vor mir ein Schuhputzer seine Bürste verlor, gab ich sie ihm zwar wieder, ging dann aber ganz schnell weiter. Schade, vielleicht hatte er sie wirklich verloren.

Als ich später dann für ein paar Monate nach Istanbul ging, geschah das hauptsächlich, um Türkisch zu lernen. Daher habe ich mir nach dem Reinfall mit der ersten Wohngemeinschaft, wo mein Zimmer weder Fenster noch Tür hatte und ich — eben mangels Tür — sogar hören konnte, wie sich der deutsche Mitbewohner im Nachbarzimmer im Bett wälzte, ganz schnell eine WG mit drei Türken gesucht, um auch schön Türkisch reden zu müssen. Von der Lage her auch perfekt, da mein Arbeitsplatz nur fünf Minuten entfernt war, was in Istanbul nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist.

Allerdings wurde die Wohnung auch einmal von Einbrechern heimgesucht, die auf Elektronik aus waren. So stahlen sie unserem Hauptmieter Laptop und Handy aus dem Zimmer und zwar, während er gerade in genau diesem Zimmer schlief. Ich konnte es kaum glauben, aber sah auch keinen Grund, weshalb er sich das ausgedacht haben sollte. Als Einbrecher muss man wohl gut schleichen können. Glücklicherweise war ich zu der Zeit in Deutschland gewesen und meine elektronischen Geräte mit mir, so dass mir nichts fehlte. Aus meinem total chaotischen, unaufgeräumten Zimmer, das ohnehin nur Kleidung enthielt, war nichts weggekommen. Nur die herbeigerufenen Polizisten meinten betrübt, dass die Einbrecher dort wohl besonders gewühlt und gewütet haben müssten. Dabei fand ich alles so vor, wie ich es verlassen hatte.

Während dieses zweiten Aufenthalts hatte ich auch einen Deutschen kennengelernt, dem der zweite Klassiker widerfahren ist. Dabei wird der Tourist, welcher gerade das Nachtleben austestet, von einem sehr sympathischen Türken angesprochen und in ein interessantes Gespräch verwickelt. Da die Türken zumeist ehrlich und aufrichtig an Fremden interessiert und unheimlich gastfreundlich sind, schenkt der arme Tourist der in diesem seltenen Fall nur geheuchelten Freundlichkeit Glauben und geht mit dem Einheimischen einen trinken. Dabei kommen „rein zufällig“ noch ein paar junge Frauen dazu, die der Tourist dann mehr oder weniger freiwillig, gerne auch ganz unwissentlich, zu allerlei absurd überteuerten Getränken einlädt. Zum Beispiel gibt er ihnen einen Champagner aus, wobei sie in Wirklichkeit irgendeinen billigen Sekt oder nur gefärbten Sprudel trinken. Der Tourist hat meist nicht die notwendigen Reichtümer dabei, um die Zeche zu zahlen und wird dann zum nächsten Geldautomaten „eskortiert“, um bezahlen zu können.

Allerdings ist mir sonst in Istanbul beim gastfreundlichsten Volk der Welt nie etwas passiert. Ich hatte nie Streit mit jemandem, geschweige denn, dass irgendjemand mir gegenüber tätlich geworden wäre. Ich habe nur mal einen Taxifahrer gesehen, der mit einem Holzschlagstock auf seinen Fahrgast oder irgendeinen anderen Verkehrsteilnehmer losging, warum auch immer. Für einen Unbeteiligten sah das fast etwas drollig aus. Gottseidank passierte nichts.

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