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Bücher für Türkischlernende

Türkisch habe ich mir im Selbststudium angeeignet, da ich aus Büchern generell besser lerne als von Menschen. Das ist aber eine Frage des individuellen Lerntyps, denke ich. Wer zur VHS oder zu einem ähnlichen Kurs geht, braucht wahrscheinlich keine Büchertips mehr.

Mein allererstes Lehrbuch für Türkisch war das Praktische Lehrbuch von Langenscheidt bzw. das ganze Paket „Praktischer Sprachlehrgang“, in dem auch CDs und ein Übungsbuch enthalten sind (edit: gibt es offensichtlich nicht mehr, heißt jetzt „Türkisch mit System“, glaube ich). Ein solides Werk, mit dem man eine gute Grundlage legen kann, denke ich.

Für Fortgeschrittene kann ich die Bücher von Frau Ersen-Rasch wärmstens empfehlen. Intensiv genutzt habe ich ihre „Türkische Grammatik“ und „Türkisch für Fortgeschrittene“. Insbesondere letzteres beantwortet viele (verzweifelte) Fragen in Bezug auf Nebensätze, die eigentlich jeden plagen, der sich auf Fortgeschrittenenniveau etwas tiefgehender mit der Materie befasst.

Inzwischen auch gelesen habe ich ihr Buch „Wie heißt eigentlich „eigentlich“ auf Türkisch?“, das sich auf immerhin 205 (!) Seiten nur mit der Frage nach solchen Partikeln und Modalwörtern beschäftigt. Sehr interessant, aber eher induktiv als systematisch.

Ihre Grammatik lobt auch Al Page, der Autor des ebenfalls durchaus empfehlenswerten Buches „Türkisch Slang – das andere Türkisch“, in dem man mit allerlei Wendungen der Umgangssprache vertraut gemacht wird, wobei auch die allerübelsten Beleidigungen nicht ausgespart, sondern sogar noch recht ausführlich und in vielen Variationen behandelt werden. Schließlich hat die Mutter des (natürlich nur zu Übungszwecken) zu beleidigenden Gegenübers ja nicht nur eine Körperöffnung und man selbst nicht auch nicht nur eine Körperflüssigkeit, um sie (freundlicherweise) dort hineinzu-, äh, machen.

Ob die Anfängerlehrbücher von Frau Ersen-Rasch so gut sind, weiß ich leider nicht, da ich, wie oben schon erwähnt, mit etwas anderem angefangen habe. Die Rezensionen zu ihrem aktuellen Werk „Türkisch – Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene“ auf Amazon sind ja eher gemischt.

Ich bin übrigens nicht Frau Ersen-Rasch oder mit ihr verwandt, verschwägert etc. Ich finde die Bücher einfach gut. Allerdings kommt das daher, dass ich mit Latein und damit mit der Grammatik-und-Übersetzen-Methode des Sprachenlernens groß geworden bin, bei der, wie der Name schon sagt, großer Wert auf das Studium der Grammatik gelegt wird. Nicht nur deshalb interessiere ich mich besonders für die grammatischen Strukturen und ihre Feinheiten, gerne auch erst einmal rein theoretisch ohne konkrete „Hoffnung“ auf baldige Anwendung. Wer das nicht tut, wem es also ganz zuvörderst auf die praktischen Fähigkeiten ankommt, für den könnten die Bücher von Frau Ersen-Rasch deutlich weniger interessant sein. Das nur als Warnung.

Wer sich dann auch mal etwas warmlaufen will, was Literatur angeht, dem würde ich Hayrettin Seyhans „Lese- und Übungsbuch Türkisch“ ans Herz legen. Die Geschichten, besonders die satirischen, fand ich überwiegend sehr gut ausgewählt. Mein Favorit ist ganz sicherlich Insanlar uyanıyor von Aziz Nesin. So herrlich böse.

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11 Kommentare zu “Bücher für Türkischlernende

  1. Danke für Deine Empfehlungen. Für meinen Intensivkurs nächste Woche werde ich mir mal das Grammatikbuch bestellen. Mittlerweile gibt es eine neue Ausgabe. Ich lese ja sehr gerne die Gedichtbände von Nazim Hikmet ❤ (in Türkisch/Deutsch natürlich 🙂 )

  2. Das Buch ist mittlerweile seit ein paar Tagen da, und ich trage es dauernd mit mir rum (hab Urlaub). Mein Gatte amüsiert sich etwas darüber „oh… alles vollgeschrieben mit feinster Grammatik“. Ich finds großartig und lese fast wie einem Roman darin.
    Jetzt habe ich jeden Tag 5 Stunden Unterricht, und dachte Abends raucht mir der Kopf. Fehlanzeige. Allerdings fällt es mir noch sehr schwer „stotterfrei“ mehr als ein paar kurze Sätze rauszukriegen. Wie machst Du das, wenn Du gar keinen Kontakt zu Türken hast, wie Du schreibst?

    Gruß,

    Nane.

    • Freut mich, dass dir das Buch so viel Freude macht. Vielleicht hast du mitgekriegt, dass die Autorin hier auch kommentiert hat

      Wenn ich außerdem geschrieben hätte, dass ich keine Türken kenne, wäre das total gelogen. Ich habe viel mit verschiedenen türkischen Tandempartnern Türkisch sowie natürlich Deutsch geübt (gibt hier auch einen Artikel darüber) und war auch mehrere Monate in Istanbul, so dass ich schon einige Sprachpraxis habe. Meine theoretischen Kenntnisse sind leider trotzdem deutlich ausgeprägter als die praktischen. Es wäre mir manchmal lieber, wenn das etwas ausgeglichener wäre, aber das liegt eben an meinem Lerntyp und meinem Faible dafür, die grammatischen Konzepte einfach erst einmal in der Theorie zu lernen und zu bestaunen, bevor ich nur an den Einsatz denke.

      Vielleicht habe ich irgendwo darüber geschrieben, dass ich Türken irgendwie immer nur wegen des Sprachenlernens kennengelernt habe und nie so ganz rein privat. Ein Tandempartner entwickelt sich aber jetzt gerade zu einem Freund. Ich habe aber auch viele verschlissen, bis so etwas mal passiert ist. Das liegt allerdings nicht nur an dem kulturellen Unterschied, sondern daran, dass ich generell (oft zu) hohe Ansprüche an Freunde und Bekannte habe, was die Ähnlichkeit von Interessen usw. angeht.

  3. Stimmt. Jetzt wo Du es noch einmal erwähnst, erinnere ich mich, es gelesen zu haben. Ja, so einen Mini-Tandem Partner habe ich auch. Nur leider interessiert er sich nicht im geringsten für Grammatik. Ohne das böse oder herablassend zu meinen, er ist vom Bildungsniveau leider nicht dazu in der Lage, sich angemessen mit diesen Themen auseinander zu setzten. Eben mehr der „learning by doing“ Typ. Na ja, ich werde mich weiter erstmal mit viel Theorie, dem Unterricht mit meinem Lehrer, mit dem Radio und natürlich der – auch von mir heißgeliebten – türkischen Popmusik weitermachen… böyle en sonunda inşallah herşey iyi olacak! 🙂

    • Ah, sehr schön. Du benutzt auch ein türkisches Tastaturlayout. Das machen ja viele Türken nicht einmal. Ich kann das inzwischen auch schon blind auf meiner deutsch beschrifteten Tastatur tippen.

  4. RESPEKT! … aber nein, ganz soweit bin ich noch nicht. So blöd die Dinger manchmal auch sein mögen: dafür ist ein iPad einfach genial! Dafür wechsele ich sogar manchmal, obwohl ich grade am Rechner sitze. Wie vorhin zum Beispiel…. macht auch Sinn, wann man ein online-Wörterbuch nutzt.

  5. Ja, da macht eine Bildschirmtastatur zur Abwechslung mal Sinn.

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