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Ist Türkisch eigentlich eine schwere Sprache? Meine (begründete) Meinung.

Bei einem Blog mit solch einem Titel muss ich natürlich auch mal eine Erklärung zu der Frage abgeben, ob ich Türkisch schwer finde oder nicht. Obwohl sich das Folgende auch aus anderen Posts zusammenklauben lässt, wollte ich es hier nochmal zusammenfassen:

Auf der einen Seite ist Türkisch leicht, weil die Grammatik ihrer eigenen Logik folgt, so dass hier im Vergleich zu den beispielsweise vor Ausnahmen nur so strotzenden indogermanischen Sprachen wenig Auswendiglernarbeit ansteht (aber nur, was die Grammatik angeht). Verstehen muss man die zum Teil sehr fremdartigen grammatikalischen Phänomene zwar, aber dann ist es auch gut. Endlose Tabellen mit unregelmäßigen Verben gibt es nicht. Eine im Vergleich zu anderen Sprachen lächerlich geringe Anzahl an Ausnahmen existiert zwar, so zum Beispiel im Bereich des Aorists oder Kausativs, aber das ist meiner Meinung nach vernachlässigbar.

Kommen wir zum schweren Teil: Grammatik. Aber halt, höre ich den Leser sagen. Hieß es nicht gerade, die Grammatik sei das leichte? Nun ja, das  ist leider nur eine Seite der Medaille. Wie schon im vorigen Absatz gesagt, muss man die Grammatik erst einmal verstehen. Und das ist bei den gehobenen Themen meines Erachtens nicht leicht. Denn die türkische Gramatik mit ihren völlig fremdartigen Phänomenen, insbesondere bei der Bildung von Nebensätzen, ist für den Indogermanen äußerst ungewohnt. Wirklich hart ist daran aber vor allem, mit diesen seltsamen Konstrukten – selbst wenn man sie theoretisch voll erfasst hat – im praktischen Gebrauch wirklich warm zu werden, sie zu „fühlen“ und in der flüssigen Rede ungekünstelt zu verwenden. Klar weiß ich theoretisch, dass ich den Nebensatz in folgendem Satz „Der Mann, dessen Zahn weh tut, […]“ so bilde: „Dişi ağrıyan adam […]“, aber das bringt mir im Eifer des Gefechts wenig. Das eigene Gehirn so neu zu verschalten, dass es die gewohnten Strukturen, die in vielen romanischen Sprachen und auch im Englischen so oder zumindest ähnlich funktionieren, völlig anders umsetzt bzw. gleich in den „nativen“ Strukturen des Türkischen denkt, hat sich – zumindest bei mir – als äußerst langwieriger Prozess herausgestellt.

Zuletzt bleibt bezüglich des Schwierigkeitsgrads natürlich noch zu bemerken, dass die Vokabeln im Türkischen schwerer auswendig zu lernen sind. Das liegt daran, dass man nichts hat, woran man sich orientieren kann. In anderen europäischen Sprachen tauchen ständig irgendwelche Wörter auf, die wir kennen oder deren Klang zumindest vertraut ist. Das ist im Türkischen deutlich seltener der Fall. Da kommt dann ein Wort wie muvafakat daher und heißt „Einverständnis“. Das kann man sich nicht gerade herleiten, oder? Es ist manchmal, besonders bei solchen Wörtern (oder bei denen mit i am Anfang wie irtibat, ihracat, imalat), zum Mäuse melken, weil ich sie schwer in den Kopf hinein bekomme und dann hinterher auch noch schnell wieder verliere. Zum Trost: es gibt auch viele aus europäischen Sprachen, ganz insbesondere aus dem Französischen importierte Wörter, gerade für zivilisatorische Errungenschaften wie z.B. televizyon für die ach so zivilisierte Glotze.

Mein Fazit:

Türkisch ist schwer – zumindest für mich –, gerade wenn man auf gehobenem Niveau die komplizierteren sprachlichen Konstrukte nicht nur verstehen, sondern auch praktisch anwenden können will. Hoffe, das war ein ausreichend kurzes Fazit für alle tl;dr-ler.

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5 Kommentare zu “Ist Türkisch eigentlich eine schwere Sprache? Meine (begründete) Meinung.

  1. Falsch! Es heißt: Bizde çalışan adamın karısı

    „Karısı bizde çalışan adam“ ergibt absolut keinen Sinn im Türkischen.

    • Danke für’s Lesen erst einmal. Dass es keinen Sinn ergibt, ist nicht ganz richtig, aber ich muss nach nochmaliger Prüfung – auch unter Zuhilfenahme mittels Internet konsultierter Muttersprachler – zugeben, dass das wohl kein so gutes Beispiel war. Meine Ratgeberin meinte, dass der Satz zwar richtig sei, aber irgendwie komisch klinge.

      Er kann wohl nur funktionieren, wenn man über eine bestimmte bzw. bekannte Gruppe von Männern spricht, von denen einer eine Frau hat, die bei einem selbst in der Firma arbeitet. Auf jeden Fall klingt es unüblich. Da muss ich dem Kommentator recht geben. Ich habe da anscheinend etwas verallgemeinert, was man nicht so leicht verallgemeinern kann.

      Nämlich Sätze wie den jetzigen Beispielsatz ‚Dişi ağrıyan adam‘, den ich mir habe absegnen lassen. Der Unterschied zwischen diesem Satz und jenem mit der Frau, der nicht so gut funktioniert, ist wohl, dass in diesem das Augenmerk ganz auf dem Mann liegt, da es ja dessen Zahn ist, der weh tut, während bei jenem Satz einmal etwas über die Frau gesagt wird, nämlich dass sie arbeitet, und dann etwas über den Mann.

      Jedenfalls Danke für den Hinweis! Jetzt weiß ich auch wieder, wieso mein Blog so heißt, wie er heißt.

    • „Die Ehefrau des Mannes welcher bei uns arbeitet…“ = „Bizde çalışan adamın karısı…“ „Der Mann dessen Frau bei uns arbeitet…“ = Karısı bizde çalışan adam…“.

      Weshalb soll das keinen Sinn ergeben!?

  2. Tolle Seiten zum Türkischlernen und zur türkischen Sprache! Vielen Dank ! Viele Inhalte zur türkischen Sprache sprechen mir aus der Seele! Die Ausführungen zu den Nebensetzen sind sehr, sehr gut aufbereitet, formuliert und deshalb super hilfreich.
    Ich kann die Sprachschule Megafon in Berlin Moabit bestens empfehlen, wo ich bei Ayten hanım mit großer Freude und Begeisterung für die Sprache Türkisch lerne, Level B1.
    Herzliche Grüße
    AL

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