Ein Kommentar

Zur Konkurrenz von -mesi und -diği/-eceği Teil 2: Praktische Tips

Ich habe zu diesem Thema noch einmal eine besonders gute Erklärung gefunden. In einem Buch von Frau Ersen-Rasch: Türkisch für Fortgeschrittene. Dort ist diese Konkurrenz in Kapitel 22 ab S. 191 gut aufgelöst.:

Primär gibt es ein recht hartes Kriterium, um zu entscheiden, welche Konstruktion man nimmt:

Viele Verben verlangen eine ganz bestimmte Nebensatzkonstruktion, wenn sie Prädikat des Hauptsatzes sind. So kann beispielsweise, wenn der Hauptsatz mit bilmek endet, nur -diği/eceği im „Prädikat“ des Nebensatzes verwendet werden, bei istemek hingegen nur -mesi.

Das kann man sehr gut für jedes Verb auswendig lernen, auch wenn es natürlich fiesestes Pauken ist.

Die sekundären Kriterien sind deutlich weicher und ich glaube nicht, dass man im Eifer des Gefechts so leicht nach ihnen entscheiden kann. Ich habe sie schon in einem vorigen Artikel grob beschrieben, glaube ich:

Für -mesi spricht, wenn es

1. um die Handlung, nicht um die Person des Nebensatzes geht.

2. um ein allgemeines, auch und gerade iteratives Geschehen geht.

Für -diği/eceği hingegen, wenn es

1. um das Subjekt des Nebensatzes geht.

2. um ein individuelles, tatsächliches Geschehen geht.

Ich habe mir aber auch eine eigene Faustregel gebastelt, die ich im Folgenden erkläre (weiter unten fasse ich sie noch einmal zusammen).

In den Fällen, in denen im Türkischen typischerweise -mesi verwendet wird, also bei Nebensätzen, die auf die Allgemeinheit, das Wünschenswerte der Handlung abzielen, wird im Deutschen immer das Präsens verwendet. Man sagt nicht: „Ich möchte, dass du kommen wirst“, sondern: „Ich möchte, dass du kommst.“ Falsch scheint auch: „Ich bestehe darauf, dass du kommen wirst“ im Gegensatz zu: „Ich bestehe darauf, dass du kommst.“, obwohl das alles auf die Zukunft Bezug nimmt. Es gibt also durchaus eine Parallele zwischen diesen Ausdrucksweisen im Türkischen und im Deutschen,  auch wenn sie sicherlich weniger direkt und klar erkennbar ist, als es wünschenswert wäre.

Wie kann man das  also nutzen? Problematisch dabei ist ja, dass man nicht einfach dann, wenn einem im Deutschen eine Konstruktion mit Präsens passender vorkommt, im Türkischen -mesi nehmen kann. Schließlich ist es ja so, dass -diği auch gegenwärtige individuelle Geschehen beschreiben kann. Allerdings kann man den Satz auf seinen „Tatsachengehalt“ und damit seine -diği-Tauglichkeit prüfen, indem man ein „gerade“ einsetzt. Beispielsweise könnte man sagen: „Ich weiß, dass du gehst.“, aber auch „Ich weiß, dass du gerade gehst.“ Zu dem eindeutig mit -mesi zu bildenden Satz „Ich will, dass du gehst.“ kann man aber nicht das Äquivalent „Ich will, dass du gerade gehst.“ bilden. Die „gerade“-Prüfung funktioniert recht zuverlässig, um die -diği-Präsenssätze und -mesi-Sätze auseinanderzuhalten. Es ist natürlich kein wissenschaftliches Kriterium.

Fruchtbar könnte dieser Vergleich allerdings auch dann sein, wenn man die Konkurrenz für einen Nebensatz auflösen möchte, der sich auf die Zukunft bezieht, wenn sich also -mesi und -eceği gegenüberstehen. Würde man hier im Deutschen nur den Präsens für richtig halten, nicht aber auch den Gebrauch des Futur, dann handelt es sich meines Erachtens um einen Fall von -mesi.

Leider ist es wegen der deutschen Unart, häufig das Präsens anstatt des Futurs zu benutzen („Kommst du  morgen?“), nicht möglich, die Sache noch einfacher zu machen, nämlich so: Immer dann wenn man im Deutschen Präsens wählen würde, nimm -mesi, bei Futur immer -eceği. Schade eigentlich, aber so schön logisch verhalten sich Sprachen leider nicht.

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Ein Kommentar zu “Zur Konkurrenz von -mesi und -diği/-eceği Teil 2: Praktische Tips

  1. Welche Bücher hast du bis jetzt alles ausprobiert? Und welche kannst du empfehlen? 🙂

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