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Wer suchet…

Auf die nach meiner verfügbaren Statistik (es sind ja fast nur noch verschlüsselte und damit nicht in die Statistik eingehende Suchen) beliebtesten Suchbegriffe „nebensätze im türkischen“, „ist türkisch eine schwere sprache“ und „istanbul schuhputzer trick“ habe ich ja schon versucht, Antworten in Artikelform zu geben.

Jetzt möchte ich mal all denjenigen etwas entgegenkommen, die mit Suchen nach bestimmten Themen hierher gefunden haben, zu denen es noch keine Artikel gibt. Damit diese schrecklichen Enttäuschungen aufhören, habe ich die häufigsten (und sinnvollsten) im Folgenden aufgezählt und in aller Kürze erläutert.

Heute – deshalb gibt es auch diesen Artikel – ist beispielsweise jemand mit „türkisch als ob“ hierher gelangt und konnte nicht fündig werden. Machen wir uns also erst einmal daran:

„Als ob“ wird im Türkischen meist mit –miş gibi wiedergegeben, dazu ein Beispielsatz:

Bu blogcu (sanki) Türkçe konuşabiliyormuş gibi davranıyor– Dieser Blogschreiber führt sich so auf, als ob er Türkisch sprechen könnte.

Wenn man möchte, kann man noch sanki davor stellen, wie im Klammerzusatz zu sehen ist. Im Wörterbuch steht sogar, dass das Wort  sanki (schon alleine) „als ob“ hieße. Richtig ist, dass es das auch in anderen Kombinationen als mit -miş gibi tut. Aber sanki nun in allen möglichen Sätzen einfach für das deutsche „als ob“ einzusetzen, dürfte ähnlich schief gehen wie ki allgemein für dass-Sätze einsetzen zu wollen.

Verzweifelt gesucht, aber hier nicht gefunden wird häufiger mal „wenn sätze türkisch“. Ja, wenn das liebe wenn nicht wär‘. Gut, das ist natürlich ein weites Feld, aber wir wollen mal kurz darüber stürmen. Das Suffix für das konditionale wenn ist  -se (Personalendungen sind wie bei -di, also -sem, -sen, se, sek, seniz, seler). Direkt angehängt an einen Verbstamm, ergibt das ein „irreales“ wenn. In einem solchen Satz geht es dann meist um unerfüllbares oder unerfülltes, insbesondere um Wünsche. Hier ein Beispiel mit hässlichem Erklärdeutsch/normalem Deutsch, wobei das in Klammern gesetzte Wort für die Bedeutung nicht unerlässlich ist, diese aber noch verstärkt bzw. in die Richtung unerfüllbarer Wunsch lenkt:

(Keşke) Türkçe öğrensem! – Türkisch wenn-ich-lernen-würde (doch nur)!/Wenn ich (doch nur) Türkisch lernen würde!

An dieses Suffix kann man dann auch noch das Vergangenheitssuffix vom Typ -di anhängen (das Resultat muss aber nicht immer auch Vergangenes betreffen, sondern kann auch auf „noch irrealeres“ in der Gegenwart hinweisen).

(Keşke) Türkçe öğrenseydim, hayatım süper olurdu – Türkisch wenn-ich-gelernt-hätte (doch nur), mein Leben super geworden-wäre/Hätte ich doch nur Türkisch gelernt, dann wäre mein Leben super geworden.

So, das war ganz schnell das wenn-Suffix, das direkt an den Verbstamm angehängt wird. Hängt man es aber an ein Substantiv oder ein Verb, das schon ein normales Zeitensuffix wie -yor oder vor allem den Aorist -er angehängt hat, so bezeichnet es eine „realere“ Bedeutung. Dass die Bedingung eintritt, liegt also absolut im Bereich des Möglichen:

Seni yarın burada görürsem, öpeceğim seni – Dich morgen hier wenn-ich-sehe, ich werde dir einen Kuss geben/Wenn ich dich morgen hier sehe, werde ich dir einen Kuss geben.

Nach diesem System kann man -se an alle möglichen Zeitsuffixe anhängen (nicht aber an kombinierte wie -ecekti oder -erdi).

Zuletzt fällt mir noch die Suche „ob-sätze türkisch“ auf. Das türkische Äquivalent des einfach anmutenden und kurzen deutschen „ob“ ist eine abgefahrene und für mich immer noch mysteriöse Konstruktion. Eigentlich sollte man vorher den Artikel zu Nebensätzen mit -diği lesen. Aber egal. Für „ob“ benutzt man eine Kombination aus dem -ip-Suffix und dem eben genannten -diği (oder -eceği). Über -ip habe ich noch nichts geschrieben, glaube ich. Ganz kurz: Es ist dafür da, um ein Verb mit einem anderen zu einem Und-Satz zu verbinden, beispielsweise:

Oraya gidip gezdik – Wir sind dort hin gegangen und herumspaziert.

Das Suffix verklebt also zwei Verben zu einem Und-Satz. Nun muss nur noch die Zutat -diği mit hineingerührt werden und das „ob“ ist fertig. Allerdings versagt bei diesem Satz mein hässliches Erklärdeutsch, weil ich darin nicht wirklich ausdrücken bzw. vermitteln kann, wieso diese Konstruktion einem deutschen „ob“ gleichbedeutend ist:

Oraya gidip gitmediğini görmedim – Dorthin dein-gegangen-oder-und-nicht-gegangen-sein habe ich nicht gesehen/Ich habe nicht gesehen, ob du dorthin gegangen bist.

Wie oben schon angedeutet, kann man das auch für zukünftige Ereignisse machen:

Oraya gidip gitmeyeceğini bilmiyorum – Dorthin dein-gehen-oder-und-nicht-gehen-werden weiß ich nicht/Ich weiß nicht, ob du dorthin gehen wirst.

So, das waren ein paar oft gesuchte Themen in aller (zugegebenermaßen etwas oberflächlichen) Kürze.

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Var oder yok?

Gestern habe ich mal wieder etwas neues gelernt, das ich Euch nicht vorenthalten möchte: Ich wollte die deutsche Wendung „wenig bis nichts“ auf Türkisch wiedergeben in einem Satz wie „Es gab wenig bis keinen Streit“ (es drehte sich natürlich um Weihnachten). Da fiel mir auf, dass eine direkte Übersetzung wie az veya hiç kavga vardı/yoktu jedoch gar nicht möglich bzw. falsch ist. Warum das so ist, deutet schon der Schrägstrich im vorigen Beispielsatz an: Für das az müsste man var setzen, denn auch wenig Streit ist immer noch existierender Streit, für das hiç jedoch yok, denn „keinen Streit gibt es nicht“ (in türkischer Sprachlogik ausgedrückt).

Jedenfalls wurde ich aufgeklärt, dass man in diesem Fall varla yok arası  sagt (was implizit auf das oben beschriebene Problem hinweist).

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Konzeptionelle Problemchen

Abgsehen davon, dass ich derzeit nicht so mit Freizeit gesegnet bin, hadere ich schwer mit der Frage, auf welche Weise ich über die Wanderung in der Türkei schreiben soll. Eigentlich wollte ich aus diesem Blog keinen Reiseblog machen, daher widersteht mir die Vorstellung, das Ganze jetzt chronologisch auszubreiten und einfach von vorne bis hinten – je Wandertag ein Artikel – zu erzählen. Dafür ist es dann streckenweise auch zu banal und passt deutlich besser in einen Outdoorblog, wenn es beispielsweise darum geht, in welchem Laden in Fethiye Gaskartuschen zu finden sind. Das Problem ist auch, dass es hier ja eigentlich um Sprache gehen soll und von der Front habe ich leider gar nicht so viel zu vermelden: Ja, ich habe mich ganz gut in diesen Dialekt hineingehört, den man dort unten spricht. Zumindest hatte ich gegen Ende den Eindruck, ihn deutlich besser zu verstehen und das ging manchmal so weit, dass ich davon ausging, dass meine Freundin (die kein Türkisch spricht) auch alles verstanden hätte, weil es mir einfach so natürlich vorkam. Ich weiß allerdings nicht einmal, wie dieser Dialekt heißt (akdeniz şivesi gibt es nicht, glaube ich). Ich könnte auch leider nicht wirklich beschreiben, was ihn genau auszeichnet. Gut, ich könnte unspezifisch erzählen, dass es mir vorkam, als wären die Endungen (besonders was das Futur angeht) total verwaschen und die Person häufig nur aus dem Kontext zu ersehen. Aber das ist jetzt nicht gerade erhellend. Kurzum, ich habe kein mich selbst überzeugendes Konzept für einen Bericht über die Reise in diesem Blog. Hoffentlich fällt mir das noch etwas ein. Bis dahin, wenn es denn jemals so weit sein sollte, hier ein Bildchen und der Link zu unserer Route (es waren dann doch nur 300 km, am Ende haben wir noch ein bisschen in Kaş herumgegammelt), falls das jemanden interessiert.DSC00881

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Ob sie damit viele türkische Kunden bekommen?

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Wie man an dem Bild sieht, bin ich aus der Türkei zurück. Bis ich etwas darüber geschrieben haben werde, wird es allerdings etwas dauern.

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Herumlatschen in Türkiye

Was schon seit längerem als fixe Urlaubsidee in meinem Kopf herumschwirrt, passiert endlich: Ich und mein Lieblingsopfer werden im Oktober den Lykischen Weg abwandern, also 450 km an der lykischen Küste entlang, von Ölüdeniz nach Antalya (wahrscheinlich eher nur bis Olympos, also 400 km).

Meine arme Freundin hat sich breitschlagen lassen, zu Fuß mit mir da entlang zu tapern. Die meiste Zeit wollen wir (ich!) zelten. Manchmal wird es wohl auch ins Hotel gehen, wenn sich gewisse Leute seltsamen Gebräuchen hingeben wollen wie z.B. der Herstellung einer auch nur basalen Hygiene (sie!). Wichtig ist jedenfalls, dass nicht gecheated und das Verkehrsmittel „Fuß“ nie verlassen wird.

Einige Aspekte dieser Reise habe ich schon in vergangenen Artikeln angesprochen, als es um die Schrecken des dortigen Dialekts oder der Krabbeltiere ging.

Soll ich jetzt noch über die schröcklich interessante Kultur dort, die fürchterbar schönen Strände oder das bislang unentdeckte Wanderland sprechen? Die ersten beiden Sachen kenne ich von früheren Urlauben ja schon, daher vielleicht über letzteres:

In der Türkei, wo Wandern als Sport ja nicht gerade bekannt oder beliebt ist, hat diesen Weitwanderweg die britische Immigrantin Kate Clow zusammengestellt bzw. aus bereits vorhandenen Ziegenpfaden, antiken Wegen und leider auch aus normalen Straßen zusammengesetzt. Von letzteren hoffe ich aber nur wenige zu sehen. Ich habe witzigerweise sogar Kontakt mit Frau Clow gehabt, die mir bereitwillig persönlich Auskunft über die Gegebenheiten im Oktober erteilt hat, den sie selber in Ihrem Buch zu dem Weg als Zeit für die Wanderung empfiehlt. Der Kontakt kam ganz unkompliziert per Mail zustande. Übrigens haben wir auf Türkisch korrespondiert, Frau Clow lebt ja schon sehr langer Zeit in der Türkei (und kann viel besser Türkisch als ich) und hat sich dort unglaublich für den Wandersport und für die Natur engagiert, wofür ich sie etwas anhimmele (daher war es auch ein bisschen so, als würde ich mit einem Promi kommunizieren). Dabei hatte ich es gar nicht darauf angelegt, mit ihr persönlich zu sprechen, sondern nur die Mailadresse der offiziellen Seite der culture routes in Turkey angeschrieben.

Wie das Wandern selbst dort unten ist, kann ich natürlich nicht wissen, habe ich bislang nur sehr begrenzte Erfahrungen, die ich in dem oben verlinkten Artikel über die Krabbelviecher mitteile. In Mitteleuropa kenne ich mich da besser aus. Da sind wir auch schon einmal eine ähnliche Strecke gegangen.

Zelten kann man in der Türkei wohl überall, das ist schon einmal eine sehr gute Nachricht. Denn in Deutschland habe ich sehr oft in Schutzhütten übernachtet. So etwas gibt es dort gar nicht. Ohne zelten zu können, wäre man also ziemlich aufgeschmissen.

Jedenfalls freue ich mich unglaublich auf diesen Trip und darauf, die Türken und ihre Gastfreundschaft, die ich schamlos ausnutzen werden, noch viel besser kennenzulernen. Und natürlich darauf, mein Türkisch zu trainieren. Hoffentlich kann ich mich in den Dialekt einhören.

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Lektionen in Demut am Mittelmeer

Fischerboote in der BuchtVorletztes Jahr war ich mal wieder auf der mavi tur, was im weitesten Sinne so viel heißt, wie mit dem Schiffchen an der sogenannten türkischen Riviera entlang zu schippern. Meines Erachtens ist das aus vielen Gründen das mit Abstand schönste Segelrevier im ganzen Mittelmeer und das wirklich nicht nur wegen meines Türkischfaibles. Als wir wieder einmal in einer dieser Traumbuchten ankerten, baten mich meine Mitreisenden, meine Türkischkenntnisse einem Nutzen zuzuführen und die in derselben Bucht ankernden türkischen Fischer zu fragen, ob sie uns etwas von ihrem Fisch verkaufen könnten. Ich heiße ja jede Gelegenheit, Türkisch zu sprechen, willkommen, also sind wir gleich mit dem Schlauchboot los und hinüber zu ihnen und haben mit den Verhandlungen begonnen.

Und dann wurde es peinlich. Von diesem Mittelmeerdialekt, wie auch immer er heißen mag, habe ich nach Merhaba fast kein Wort mehr verstanden. Gottseidank verstanden sie mich. Das war aber auch wirklich alles. Irgendwie waren das nur so kantige, schwer verdauliche Brocken, die sie mir hinwarfen, an denen ich mich ausnahmslos verschluckte. Dann sollte ich auch noch dolmetschen, weil mein Onkel plaudern wollte, fragen, wo sie fischen, wo sie ihren Fang hinbringen, wo sie wohnen. Es war grauenvoll. Ich glaube, damals von vielen langen Sätzen nur das Wort Marmaris verstanden zu haben. Wie soll das nur werden, wenn ich mal den Lykischen Weg durchwandere? Hoffentlich gewöhnt man sich daran.

Apropos lykischer Weg: Ich habe an die Leute von http://cultureroutesinturkey.com/c/ per E-Mail ein paar Fragen zum Weg gestellt und tatsächlich Antwort erhalten. Und zwar von der Erfinderin des Weges, Kate Clow! Das war für mich, als würde ich Brad Pitt kennenlernen. Nur, dass für mich Brad Pitt nicht einmal ansatzweise so cool ist wie Kate Clow.

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Wo die Schwanen weiden

Ich komme nicht darüber hinweg, dass Schwan auf Türkisch kuğu heißt. Irgendwie stelle ich mir dazu so einen mümmelnden Schwan auf der Alm vor, so ganz ungraziös. Vielleicht muss ich mich nur daran gewöhnen und entdecke dann, wie ich dieses Wort mit der Schönheit und Anmut eines Schwanes in Verbindung bringen kann.